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Wickel

Anwendung

Wickel (bzw. Umschläge) eignen sich hervorragend zur häuslichen Anwendung bei leichten Befindlichkeitsstörungen (z. B. Kopfschmerzen) bis hin zur Behandlung schwerer und chronischer Krankheiten (Bluthochdruck, Verdauungsstörungen). Bei der Wickelbehandlung werden der gesamte Körper (Ganzpackung) oder Körperteile wie Rumpf, Extremitäten (Teilwickel) mit drei verschiedenen Tüchern eingehüllt.



Die Bezeichnung der Wickel folgt der behandelten Körperregion bzw. dem gewickelten Körperteil:
Hals-, Brust-, Leib- (= Lenden-), Rumpf- (= Kurz)wickel, Arm-, Bein-, Hand-, Waden-, Knie- und Fußwickel.

„Wie jeder Wickel seinen eigenen Namen trägt, so hat er auch seine eigene Wirkung, und wie die Wickel ganz verschieden von einander sind, so sind auch ihre Wirkungen verschieden. Doch darin stimmen alle überein, daß sie auflösen, die kranken Stoffe selber aufnehmen, ausleiten und so die Natur verbessern.“ (S. Kneipp)

Wirkung:

Kalte Wickel entziehen sofort Wärme und bewirken anfangs im vegetativen Nervensystem eine Steigerung des Stressnerven - „ Sympathikotonus „ (= Reizphase) mit Gefäßverengung, mäßigem Blutdruckanstieg und Stoffwechselanregung sowie eine Vertiefung und Beschleunigung der Atmung. Diese Wirkungen gehen nach ca. 5 Minuten durch abklingenden Wärmeentzug und zunehmende Gegenreaktion des Körpers (Wärmeproduktion - Reaktionsphase) in eine Verstärkung des Ruhenerven (Vagotonus, Parasympathikus) über. Die Muskulatur des Bewegungsapparates (z. B. Halswirbel-, Lendenwirbelsäulenbereich, Schulter, Hüftgelenk) und der inneren Organe (z. B. Gallenblase, Harnleiter, Harnblase) wird entspannt, detonisiert mit dem Ziel und Effekt der Entspannung und damit Schmerzlinderung und Mehrdurchblutung und Stoffwechselaktivierung.

Ähnliche Wirkung haben auch heiße Wickel (ca. 43 - 45° C; die Verträglichkeit wird an der Innenseite des Unterarms geprüft). Die reaktive, d. h. nachfolgende Gefäßerweiterung nach etwa 10 – 15 Minuten bewirkt darüber hinaus eine Blutdrucksenkung und damit eine Entlastung des Herz-Kreislauf-Systems.

Die Wirkung ist ferner abhängig von der Anwendungsdauer:

  • Anwendungsdauer 10 bis ca. 20 Minuten: Wärmeentzug, z. B. angezeigt bei entzündlichen Prozessen, Prellungen (posttraumatischen) Schwellungen und Blutergüssen, Fieber
  • Anwendungsdauer 20 bis ca. 60 Minuten: Reaktive Wiedererwärmung bis hin zum Schweißausbruch, z. B. angezeigt im Anfangsstadium grippaler Infekte, bei Bronchitis, Lungenentzündung (Pneumonie), Nervenentzündung (Neuritis). Immer ist jedoch streng auf die Verträglichkeit bzw. Fehlreaktionen zu achten!
Reaktion auf einen Reiz; nachfolgend. Typisch und erwünscht in der KNEIPP-Therapie ist eine positive Reaktion auf einen Reiz. Zum Beispiel folgt auf einen kurzen Kaltreiz im Körper nachfolgend eine Wärmebildung als positive Reaktion – verbunden mit Wohlbefinden, Verbesserung der Durchblutung und nervlicher Harmonisierung. Falsche Reaktionen wären beispielsweise: Frieren, Frösteln, Herzjagen, Gänsehaut usw.. Die Reaktionsphase auf eine KNEIPP-Anwendung sollte bei stärkeren Anwendungen in (Bett-) Ruhe, bei kleineren Anwendungen auch durch aktive Bewegung unterstützt werden. Störend im Hinblick auf eine positive Reaktion nach einer KNEIPP-Anwendung wirken: Streß, Hektik, aufregende Literatur, Fernsehen, Nicotin, Koffein.
dem Willen nicht unterliegendes Nervensystem
Spannungszustand des sympathischen Teils des Nervensystems – dadurch erfolgt eine Verschiebung hin zu erhöhter Erregbarkeit des sympathischen Systems. Symptome sind u. a. Beschleunigung des Pulses, Erweiterung der Pupillen, Schwitzen, Erröten, Bronchienerweiterung, Blutdruckanstieg, Fibrinogenerhöhung, Blutzucker- und Cholesterinanstieg, und eine herabgesetzte Magen-Darm-Funktion. Ziel ist eine erhöhte Leistungsbereitschaft für die Umwelt – meist zulasten eigener körperlicher Reserven. Ohne Ausgleich häufig in Erschöpfung oder reaktive Depression einmündend.
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