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Brennnessel - Große und Kleine Brennnessel – Urtica dioica und Urtica urens

Foto: Dr. Hans Horst Fröhlich

Pflanze

Die Brennnessel wird vielfach immer noch zu Unrecht als Unkraut verkannt und unterschätzt: „Manche zartbenervte Seele“, so wusste auch Sebastian Kneipp, „sticht und brennt es schon, wenn sie nur diesen Namen hört“. Ihre Brennhaare verursachen bei Berührung den typischen Schmerz; Ursache dafür ist vor allem ein ameisensäurehaltiger Inhaltsstoff sowie Histamin, das allergische Reaktionen hervorrufen kann. Die Brennnessel ist jedoch eine unserer wichtigsten Heilpflanzen.


„Die Brennesseln sind, nebenbei gesagt, sehr wichtig in der Heilkunde.“
(S. Kneipp)

Ihre Wirkung ist vor allem entwässernd, harntreibend und stoffwechselanregend. Der Volksmedizin galt sie als wichtiges Mittel zur Blutreinigung und wurde deshalb vor allem bei rheumatischen Beschwerden eingesetzt. So empfahl auch Kneipp bei Rheumatismus unter anderem, die schmerzenden Stellen täglich ein paar Minuten mit frischen Brennnesseln zu „bestreichen oder schlagen“: „Die Furcht vor der ungewohnten Rute wird bald der Freude über deren vorzügliche Heilwirksamkeit weichen.“ In der Erfahrungsheilkunde wurde die Brennnessel daneben auch als Haarwuchsmittel eingesetzt.
Und Kneipp war der Zeit wie so oft wieder voraus. Damals erkannte er schon: „Kräftiger als die Blätter wirken die Brennnesselwurzeln“. Die innerliche Anwendung der Brennnesselwurzel bei Prostata-Beschwerden ist inzwischen auch wissenschaftlich nachgewiesen: Durch ihre Einnahme kommt es zu einer Erhöhung des Harnflusses und einer Senkung der Restharnmenge.

Die Brennnessel ist jedoch nicht nur eine Heilpflanze, sondern auch ein Nahrungsmittel mit langer Tradition: Nicht nur frische Brennnesseln, sondern auch das bereits von Hildegard von Bingen empfohlene Gemüse (Brennnesselspinat) haben gesundheitsfördernde Wirkung:


„Wer unreines Blut hat, soll zur Sommerzeit recht oft Brennnesseln, wie Spinat gekocht, essen.“ (S. Kneipp)

Zur Frühjahrskur hingegen dient vor allem frischer Brennnessel-Salat (die jungen Blätter enthalten viel Vitamin C) sowie der auch von Kneipp den Menschen so sehr ans Herz gelegte Presssaft.

„O, wenn wir doch das Pflanzenblut nach seinem Werte schätzen würden, das meist so elende und wässrige Menschenblut würde bald davon gesunden und stark und gut werden.“ (S. Kneipp)

Bestandteile und Inhaltsstoffe

Blätter, Kraut und vor allem die Wurzel enthalten Kaffeoylchinasäuren (adstringierende, schmerzlindernde Wirkung), ungesättigte Fettsäuren, Kieselsäure und Mineralsalze wie Kalium und Kalzium, die vor allem die für entwässernde (diuretische) sowie entzündungshemmende Wirkung verantwortlich sind, sowie Amine (Histamin, Serotonin) in den Brennhaaren.


„Die Brennnessel hat in der Tat für Kenner den größten Wert.“ (S. Kneipp)

Wirkungen:

  • entwässernd (diuretisch)
  • Erhöhung der Harnmenge (diuresefördernd) – bei ausreichender Flüssigkeitszufuhr
  • entschlackend im Binde- und Zwischenzellgewebe
  • antirheumatisch




© Dr. Bachmann

Salze der Kieselsäure sind wichtige Bausteine im Bindegewebe, z. B. von Bändern, Knochen, Knorpel, Haaren und Nägeln. Ein Mangel oder eine Verwertungsstörung kann brüchige Fingernägel, Haarausfall oder Hautjucken verursachen. Kleinorganismen und Pflanzen können hohe Mengen von Kieselsäure enthalten (z. B. manche Algenarten, Schachtelhalm)
Histamin ist ein körpereigener Stoff, der Symptome wie Entzündungen, Schmerzen, Hautrötungen, Allergien, Schwellungen, Herzrasen, Blutdruckabfall oder Durchfall bewirken kann. Menschen, die zu diesen Symptomen neigen, sollten Nahrungsmittel mit hohem Histamingehalt (u. a. Thunfisch, Parmesan, Emmentaler, Harzer, Salami, Schinken, Tomaten, Spinat, Rotweinessig, Rotwein, Champagner, Sekt oder Schokolade) meiden.
Gewebshormon. Wirkt als Überträgerstoff (Neurotransmitter) im Nervensystem. Neben Endorphinen und Encephalinen als schmerzminderndes, körpereigenes „Glückshormon„ bezeichnet.
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