Gesundheitsratgeber
Haben Sie Beschwerden oder möchten Sie für Ihre Gesundheit vorsorgen, zum Beispiel durch regelmäßige Kneipp-Anwendungen?
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Ihr Kind isst am liebsten Müsli, Vollkornbrot, Naturjoghurt, Gemüse und Obst? Dann bleiben Ihnen die vielen Auseinandersetzungen erspart, die sich täglich in Familien wiederholen, weil Pommes frites, Pizzen und Süßigkeiten ganz oben auf der Hitliste stehen.
Belehrungen und Informationen über gesundes Essen alleine führen nicht zum erhofften Erfolg. Denn das Ernährungsverhalten bei Kindern wird weniger durch theoretische Wissensvermittlung sondern vielmehr durch erlebnisorientiertes Tun beeinflusst. Aber dazu später mehr.
30% der Kinder wiegen zuviel
Die Sorge der Eltern bezüglich der Ernährungsgewohnheiten ihrer Kinder ist durchaus berechtigt. Optimalerweise soll die Ernährung alle Nährstoffe liefern, um Mangelerscheinungen zu vermeiden und ernährungsbedingten Krankheiten vorzubeugen.
Die Wirklichkeit sieht anders aus. Die übliche Ernährung von Kindern und Jugendlichen ist nicht immer bedarfsgerecht. Sie enthält zuviel Fett – v.a. gesättigte Fettsäuren -, zuviel Cholesterin, tierisches Eiweiß und Zucker. Daneben gibt es beachtliche Versorgungslücken bei Ballaststoffen, komplexen Kohlenhydraten, Mineralstoffen wie Calcium, Jod und Eisen sowie einzelnen B-Vitaminen (Vitamin B1, B2, B6).
Übergewicht ist in den Industrieländern die häufigste Form der Fehlernährung bei Kindern. Bis zu 30% der Kinder in Deutschland sind übergewichtig oder aber latent übergewichtig. Der Grundstein für ernährungsabhängige Krankheiten wie z.B. Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Bluthochdruck oder erhöhte Blutfettwerte wird schon im Kindesalter gelegt. Deshalb sollte bereits bei den ganz Kleinen ein gesundes Ess- und Trinkverhalten gefördert werden.
Was sollen Kinder essen?
Auf dem Speiseplan der Kinder sollen pflanzliche Lebensmittel reichlich, tierische Lebensmittel mäßig und Speisefette nur sparsam vertreten sein.
Empfohlen werden Lebensmittel mit hoher Nährstoffdichte wie Gemüse, Getreide. Lebensmittel mit niedriger Nährstoffdichte wie süße oder fette Nahrungsmittel werden nur geduldet. Als Nährstoffdichte wird das Verhältnis von essentiellen Nährstoffen zu energieliefernden Nährstoffen bezeichnet.
Wichtig ist eine vielseitige Kost, die auch typische Essensvorlieben und –abneigungen der Kinder berücksichtigt. Besonderer Wert sollte auf die Qualität und schonende Zubereitung der Lebensmittel gelegt werden. Selbstzubereitete Speisen sind Fertigprodukten vorzuziehen, dies trägt u.a. auch zur Senkung des Fett- und Zuckerkonsums bei.
Bezogen auf die einzelnen Lebensmittel-Gruppen ergeben sich folgende Empfehlungen:
Pflanzliche Lebensmittel wie Getreide, Kartoffeln, Gemüse, Hülsenfrüchte und Obst sollten Hauptbestandlteil der täglichen Ernährung sein. Sie weisen hohe Nährstoffdichten auf und liefern u.a. Nährstoffe wie Vitamin C, B1, B6, Eisen oder Magnesium, mit denen einige Kinder nicht optimal versorgt sind. Zudem sind sie fettarm, aber reich an komplexen Kohlenhydraten, Ballaststoffen und sekundären Pflanzenstoffen. Wie die Forschungen der letzten Jahre zeigen, wirken Sekundäre Pflanzenstoffe gesundheitsfördernd, in dem sie z.B. vor Krebs schützen, den Cholesterinspiegel senken oder spezielle Funktionen unseres Immunsystems stärken. Aus präventivmedizinischer Sicht sind dies entscheidende Vorteile. Deshalb sollten Kartoffeln, Hülsenfrüchte, Vollkorn-Nudeln, Naturreis und andere Getreide(produkte) die Hauptkomponenten der warmen Mahlzeit bilden, anstelle von Fleisch wie bisher üblich.
Mindestens die Hälfte der Getreideprodukte sollten als Vollkornvariante angeboten werden. Mit dem Vollkornanteil erhöht sich der Gehalt an Ballaststoffen, Vitaminen und Mineralstoffen.
Gemüse kann schonend gegart und als Rohkost gegessen werden, bei Obst empfiehlt sich nur der Rohverzehr. Kinder, die täglich Gemüse und Obst essen, erhöhen die Zufuhr an antioxidativ wirksamen Nährstoffen wie Vitamin C, Vitamin E und Betacarotin. Nach heutigen Erkenntnissen wirken Antioxidantien vorbeugend bei Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Vitamin C verbessert die ansonsten schlechte Aufnahme von Eisen aus pflanzlichen Lebensmitteln. Dies ist besonders von Bedeutung, wenn Kinder kein oder wenig Fleisch essen. Gemüse und Obst liefern wenig Energie und eignen sich daher gut als Zwischenmahlzeit.
In der Kinderernährung wird nur ein mäßiger Verzehr tierischer Lebensmittel empfohlen.
Milch- und Milchprodukte wie z.B. Naturjoghurt, Dickmilch oder nicht zu fetter Käse gehören zum täglichen Speiseplan. Diese Lebensmittel liefern hochwertiges Eiweiß, Calcium und Vitamine (Vitamin A, B2, B12).
Der Verzehr von Seefisch wird einmal wöchentlich empfohlen. Er ist eine bedeutende Quelle für Jod und Omega-3-Fettsäuren. Um die Jodzufuhr weiter zu verbessern, ist der Einsatz von Jodsalz günstig.
Mageres Fleisch und Wurstwaren enthalten als spezifische Nährstoffquelle gut verwertbares Eisen, Zink, Vitamin B1 und Vitamin B12, sollten aber nicht öfter wie 2-3 mal pro Woche gegessen werden. Lehnt Ihr Kind Fleisch ab oder möchten Sie Ihr Kind aus verschiedenen Gründen fleischlos ernähren, ist dies gut möglich. Bei einer wohlüberlegten Zusammenstellung der Ernährung mit pflanzlichen Lebensmitteln und Milch, Milchprodukten und Eiern wird eine ausgewogene Nährstoffzufuhr auch ohne Fleisch erzielt. Lediglich bei Kindern unter 3 Jahren könnte die Eisenzufuhr problematisch werden.
Ein hoher Konsum an Fleisch, Wurst und Käse geht zu Lasten von komplexen Kohlenhydraten sowie Ballaststoffen und liefert zuviel Fett, Cholesterin und tierisches Eiweiß. Aus präventivmedizinischer Sicht wird daher nur ein mäßiger Verzehr empfohlen.
Nahrungsfette wie Butter, hochwertige Pflanzenöle und –margarinen sollten nur sparsam eingesetzt werden. Kinder führen einen Großteil der Fette über Wurst, Käse, Schokolade, Süßigkeiten und Knabberartikel zu. Eine fettreiche Ernährung kann zu Übergewicht führen und stellt später ein Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen dar.
Bei Kindern ist auf eine ausreichende Flüßigkeitszufuhr (ca. ¾ - 1 Liter/Tag) zu achten, möglichst in Form von energiefreien Getränken wie Wasser (Leitungs- oder Mineralwasser), ungesüßte Kräuter- und Früchtetees. Die bei Kindern beliebten Limonaden oder Cola-Getränke können bis zu 100 g Zucker pro Liter enthalten und sind daher als Durstlöscher nicht geeignet.
Maßvoller Umgang mit Süßigkeiten
Kinder lieben Süßigkeiten. In den ersten beiden Lebensjahren können Eltern den Konsum noch steuern. Spätestens in der Kindergruppe oder im Kindergarten ist der Kontakt mit Süßigkeiten nicht mehr zu vermeiden. Ein striktes Verbot ist nicht sinnvoll, vielmehr gewinnen Süßigkieten noch an Attraktivität. Wichtiger ist es, die Kinder schon frühzeitig zu einem maßvollen Umgang zu erziehen. Bereits in der Säuglingsnahrung (Tee, Brei) sollte möglichst auf Süßungsmittel verzichtet werden, damit sich Kinder erst gar nicht an eine intensive Süße gewöhnen. Bei gekauften Süßigkeiten hat man wenig Einfluß auf den Zuckergehalt. Ein selbst angerührtes Joghurt mit frischen Früchten oder selbstgebackene Kekse enthalten weniger Zucker. Sinnvoll ist es auch, die natürliche Süße von Obst oder Trockenfrüchten zu nutzen (weitere Tipps siehe Artikel „Süße Verführer“). Entscheidend ist dabei, wie die Eltern den maßvollen Umgang mit Süßigkeiten vorleben. Wer selbst gerne nascht, es aber den Kindern verbietet, wird schnell unglaubwürdig.
Wie sinnvoll sind Kinderlebensmittel?
Einerseits wissen Eltern und größere Kinder wie eine bedarfsgerechte Ernährung aussehen sollte. Andererseits scheint diese nicht bedürfnisgerecht zu sein, da Kinder lieber Pommes, Hamburger oder Süßigkeiten essen möchten. Für Eltern ist dies ein Gewissenskonflikt, den sie mit dem Kauf von speziellen Kinderlebensmitteln zu lösen versuchen. Diese sollen laut Werbung nicht nur gut schmecken, sondern durch Zusatz von Vitaminen und/oder Mineralstoffen besonders gesund sein. Eine scheinbar günstige Kombination.
Nimmt man diese Lebensmittel etwas genauer unter die Lupe, fällt auf, dass sie häufig besonders viel Zucker und auch Zusatzstoffe für Aroma, Farbe und Konservierung enthalten. Teilweise ist auch der Fettgehalt recht hoch, z.B. bei Nuß-Nougat-Cremes (ca. 30 g Fett/100 g). Manche Zutaten werden übertrieben hervorgehoben, z.B. Milch und das darin enthaltene Calcium. Wie wenig Calcium eigentlich zugeführt wird, zeigen folgende Beispiele: 1 Glas Milch (200 ml) hat 240 mg Calcium. Um diese Menge an Calcium aufzunehmen, müßte man z.B. 4 Milchcremeschnitten bzw. 180 g Nußnougatcreme essen. Gleichzeitig ißt man noch 33 g Fett und 20 g Zucker bzw. 54 g Fett und 90 Zucker mit. 75% der Kinderlebensmittel sind Süßprodukte wie Süßigkeiten, Gebäck, gesüßte Getränke und spezielle Milchprodukte. Sie sind entscheidend für den hohen Zuckerkonsum bei Kindern miverantwortlich. Es handelt sich also nicht um gesunde Zwischenmahlzeiten, wie dies die Werbung vermitteln möchte. Die Anreicherung mit Vitaminen und Mineralstoffen erfolgt nach keinem ernährungsphysiologisch erkennbaren Prinzip. Fazit: Kinderlebensmittel sind überflüßig.
Ernährungserziehrung
Es ist oft nicht einfach, Kinder von einer gesunden Ernährung zu überzeugen. Besonders Belehrungen wie „Iss doch das Gemüse, es ist so gesund“, verhallen ohne Konsequenz.
Das Ernährungsverhalten der Kinder wird in den ersten Jahren entscheidend von den Eltern bestimmt. Eine wichtige Rolle spielt dabei die Vorbildfunktion der Eltern. Welche Lebensmittel sie essen oder ablehnen, beeinflußt auch die Kinder.
Lebensmittel sollten nicht als Erziehungsmitte eingesetzt werden. Kinder, die ständig mit Essen belohnt, getröstet oder bestraft werden, zeigen langfristig Störungen im Ernährungsverhalten. Sie werden als Erwachsene versuchen, emotionale Spannungen mit Essen zu kompensieren.
Wichtig ist es, die Selbständigkeit des Kindes zu fördern. Dazu gehört, dass ein Kind entscheidet, wieviel es isst und nicht gezwungen wird, den Teller leer zu essen. Ansonsten verlernt das Kind auf das eigene Sättigungsgefühl zu achten, wie dies bei vielen Erwachsenen der Fall ist. Kinder fühlen sich ernst genommen, wenn auf ihre Esswünsche eingegangen wird. Kochen Sie gelegentlich auch Lieblingsgerichte, die nicht so „gesund“ sind.
Die Vielfalt der Nahrungsmittel lernen Kinder beim gemeinsamen Einkaufen und beim „Mithelfen“ in der Küche kennen. Kinder haben Spaß daran, wenn sie beim Kochen kleine Aufgaben erfüllen können. Sie werden so in die Verantwortung miteingebunden und akzeptieren die mitzubereitete Mahlzeit eher als „ihr“Essen.
In der Ernährungserziehung sollen Spaß, Lust und Geschmackserlebnisse an erster Stelle stehen. Gerade bei den Kleinen kann Phantasie noch einiges bewirken. So wird aus einem Müsli „Drachenfutter“ und beim Frühstück werden dann die Abenteuer des Drachens erzählt. Um ältere Kinder von gesunder Ernährung zu überzeugen, sind bekannte Vorbilder hilfreich, die besonderen Wert auf ihre Gesundheit legen, z.B. Sportler.
Das Auge isst mit. Deshalb sollten Speisen bunt und hübsch dekoriert serviert werden. Auch eine fröhliche, entspannte Atmosphäre beim Essen ist wichtig.
Bei der Umsetzung einer bedarfsgerechten Kinderernährung wird deutlich, dass die Wissensvermittlung erst an zweiter Stelle rangiert. Vorrangig sollen Geschmackserlebnisse und das Kennenlernen der Lebensmittel und ihrer Herkunft spielerisch gefördert werden. Diese wichtige Aufgabe müssen nicht nur Eltern, sondern auch Kindergärten und Schulen übernehmen. Der Kneipp-Bund trägt mit seinen Projekten in Kindergärten und Schulen ganz entscheidend dazu bei, dass aus „Kindern von heute – gesundheitsbewußte Erwachsene von morgen“ werden.
Ursula Lenz, Kneipp-Bund e.V.